Cinderella-Komplex

Alternative Bezeichnungen

  • Aschenputtel-Syndrom
  • Angst vor Unabhängigkeit

Was ist ein Cinderella-Komplex?

Definition: Der Cinderella-Komplex bezeichnet ein psychologisches Phänomen, bei dem insbesondere Frauen eine tiefsitzende Angst vor Unabhängigkeit haben und ein unbewusstes Verlangen verspüren, beschützt zu werden und Verantwortung zu vermeiden. Dieses Konzept wurde von der amerikanischen Forscherin Colette Dowling in den 1980er Jahren geprägt und hat seitdem sowohl in der Populärpsychologie als auch in der feministischen Diskussion Beachtung gefunden.

Erklärung

Der Cinderella-Komplex wurzelt in der sozialen und kulturellen Prägung, die Frauen dazu ermutigt, sich abhängig und passiv zu verhalten, in der Hoffnung auf einen ‚Retter‘, ähnlich der Cinderella-Geschichte. Diese soziale Konditionierung führt dazu, dass Frauen ihre eigenen Fähigkeiten und den Wunsch nach Selbstständigkeit unterbewerten. Es ist eine innere Konfliktsituation, die sich in der Angst manifestiert, für sich selbst sorgen zu müssen und Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.

Der Komplex beeinflusst nicht nur das Selbstbild und das Verhalten von Frauen in persönlichen und beruflichen Beziehungen, sondern kann auch zu einer Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse und Potenziale führen. Frauen mit einem stark ausgeprägten Cinderella-Komplex neigen dazu, sich in Beziehungen zu begeben, in denen sie die untergeordnete Rolle einnehmen, und vermeiden es, Initiativen für ihre Unabhängigkeit zu ergreifen.

Das Aschenputtel-Syndrom ist nicht offiziell in psychologischen Diagnosehandbüchern verzeichnet, wird aber verwendet, um eine bestimmte Form der psychologischen Abhängigkeit und des Mangels an Selbstvertrauen zu beschreiben. Die Betroffenen erhoffen sich, dass jemand anders – typischerweise ein romantischer Partner – sie von ihren Problemen „rettet“ und ihnen ein besseres Leben ermöglicht. Dieses Syndrom kann aus verschiedenen psychologischen Ursachen entstehen, einschließlich niedrigem Selbstwertgefühl und Angst vor Unabhängigkeit.

Das Syndrom wird oft durch traditionelle Geschlechterrollen und kulturelle Erzählungen verstärkt, die Wert auf die Rettung durch einen „Prinzen“ legen. Es kann zu ungesunden Beziehungsmustern führen, in denen die Betroffenen zu sehr von der Bestätigung und Unterstützung anderer abhängig sind.

Beispiele

  • Eine Frau verzichtet auf Karrierechancen, weil sie befürchtet, dass beruflicher Erfolg ihre Chancen auf eine Beziehung verringern könnte.
  • Eine Person mit dem Aschenputtel-Syndrom könnte in Beziehungen bleiben, die nicht erfüllend sind, in der Hoffnung, dass der Partner sich ändern und ihre Probleme lösen wird.
  • Trotz finanzieller Möglichkeit, zieht es eine Frau vor, nicht alleine zu wohnen, aus Angst vor der Verantwortung, die das Alleinleben mit sich bringt.
  • In extremen Fällen kann das Syndrom dazu führen, dass jemand vollständig darauf verzichtet, persönliche Ziele zu verfolgen, in der irrigen Überzeugung, dass das alleinige Ziel im Leben darin besteht, von jemand anderem „gerettet“ zu werden.

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